UNSERE CLEVEREN VIERBEINER – DIE TRICK-KÜNSTLER VOM BECK-HOF

TRICKS??? – WIESO DENN TRICKS?

Wie kommt eine Tierpsychologin auf die Idee, mit ihren Tieren ausgerechnet Kunststückchen zu üben? Sollte sich ein Tierpsychologe nicht eher auf die Lösung von problematischem Verhalten von Tieren konzentrieren?
Es gibt eine Menge guter Gründe für das Tricktraining – unter anderem besteht auch eine hochinteressante Wechselwirkung zwischen dem Üben von Kunststückchen und der Veränderung von Verhaltensproblemen. Der wichtigste Grund für mich aber ist, dass diese Art der Beschäftigung für Tiere immer wieder zu Erlebnissen wie diesem führt:

Minischweinchen Piccolino soll lernen, einen kleinen Ring selbständig um seinen Hals zu legen. Natürlich ist es für ein Schwein nicht gerade lebensnotwendig, einen Halsreif zu tragen und diesen auch noch selbst anlegen zu können. Aber Piccolino liebt Tricks. Er braucht sehr viel Beschäftigung und ist regelrecht lernbesessen. Am besten soll es immer wieder etwas Neues sein. Mit Hula-Hopp-Reifen hat er schon eine Reihe von Kunststückchen geübt. Also probieren wir es diesmal mit einem kleineren Ring, den ich aus einem Stück Gartenschlauch gebastelt habe. Wir sind bereits so weit gekommen, dass das Schweinchen den Reifen mit dem Rüssel anhebt, die Nase hochnimmt, so dass der Ring auf dieser baumelt, sich setzt und den Kopf zurücklegt, was den Reifen ein Stück weiter nach hinten rutschen lässt. An diesem Punkt scheint Schluss zu sein. Weiter kann das Minipig den Kopf nicht in den Nacken nehmen. Der Ring bleibt bei jedem neuen Versuch wieder in der Stirngegend hängen. Ich stelle fest, dass dieser Trick offensichtlich anatomisch unmöglich ist. Nur ein letztes Mal werden wir es noch probieren. Erneut lege ich den Ring auf den Boden. Piccolino nimmt ihn auf, setzt sich, hebt die Nase, so hoch er kann. Wie erwartet rutscht der Reifen auch diesmal nicht über die Ohren.

                                                                                                                                                    

Mit einem Mal, vollkommen überraschend und ohne jede Aufforderung meinerseits, erhebt sich das Schweinchen auf die Hinterhand wie ein Pferd, das steigt ( Inzwischen wurde der einfache Gartenschlauch-Ring verschönt und der Trick in das Repertoire der Schweinchen- Kunststücke aufgenommen). 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Ring hängt nun um den Hals und Piccolino guckt mich stolz und erwartungsvoll an. Natürlich regnet es Apfelstückchen zur Belohnung, die das Minipig mit Begeisterung verspeist.  

Wieder einmal hat Piccolino einen Trick geschafft, der zunächst völlig unmöglich schien. Aber das ist nicht alles. Ich spüre eine unglaubliche Nähe zu meinem Tier, in solchen Momenten ganz besonders, eine Hochachtung vor seiner Intelligenz und seiner Kreativität, wie ich sie in keiner Form der Beschäftigung mit Tieren zuvor erlebt habe. Kein Wunder also, dass ich das Tricktraining liebe!

 

Mein Name ist Elisabeth Beck. Ich bin Human- und Tierpsychologin und beschäftige mich intensiv mit der Beziehung und Kommunikation zwischen Menschen und Tieren.
Tricktraining spielt auch eine Rolle in der tierpsychologischen Beratung in Form einer unterstützenden, aber sehr wichtigen, weil hocheffektiven Maßnahme. Außerdem leite ich seit etlichen Jahren Circuskurse für Kinder, wobei ich versuche, wo immer es möglich ist, im Sinne einer tiergestützen Pädagogik Tiere einzubeziehen.
Zusammen mit meinem Mann Albrecht und unseren Tieren lebe ich auf einem alten Bauernhof in Brandenburg, der sich allmählich in einen richtigen, kleinen „Beschäftigungszoo“ verwandelt. Zwei- und Vierbeiner haben so viel Spaß am Tricktraining, dass wir gerne andere mit unserer Begeisterung anstecken!  

 

PAMINA – WIE ALLES ANFING

 

                                                                                                                                                                                                                                                    

Unsere „Pammi“, ein Schäferhund- Windhund-Mix, stammte aus dem Tierheim und war zeitlebens ein sehr sensibler, etwas ängstlicher, dabei aber ungemein liebenswerter Hund.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Paminas kleiner Freund, unser Dackel Eddy, im Alter von 17 Jahren starb, zeigte Pamina, damals auch schon fast 15 Jahre alt, nicht mehr viel Lebenswillen. Sie wirkte apathisch, schien sich für nichts mehr zu interessieren und fraß schlecht. Allerdings litt sie bis auf die vollständige Taubheit, die im Alter eingetreten war, unter keiner wirklichen Erkrankung.

In dieser Zeit unternahm ich eine kurze Reise in die Schweiz und besuchte dabei auch den wunderbaren Beschäftigungszoo für Raubtiere von René Strickler. Herr Strickler erzählte unter anderem von seiner schwarzen Pantherdame Lara, die das hohe Alter von 28 Jahren erreicht hatte.

Ich hatte als Kind viel Zeit im Circus verbracht, war sogar ab und zu in den Ferien mitgereist. Schon damals war mir aufgefallen, wie alt Tiere bei erstaunlicher Gesundheit oft werden, wenn sie regelmäßige Beschäftigung haben. Mir schoss eine Idee durch den Kopf, die ich zugegebenermaßen selbst ein wenig verrückt fand: Sollte ich versuchen, meiner uralten Pamina ein paar einfache Kunststückchen beizubringen?

„Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks“, heißt ja ein bekanntes Sprichwort. Zudem war Pamina immer sehr folgsam gewesen. Sie hatte keine Übungen, die dem Gehorsam dienen sollen, gebraucht. Sie war ein Hund, der einem die Wünsche von den Augen ablas. Das bedeutete natürlich auch, dass sie nie gezielt etwas gelernt hatte. Aber nun fehlte ihr jeder Spaß am Leben und ich hatte nichts zu verlieren. Also beschloss ich, es zu versuchen.

Beim Stöbern in einer Buchhandlung stieß ich auf ein Buch über Clickertraining. Mit der Unterstützung lieber, trainingserfahrener Freunde legte ich los: Ich erlernte das „Clickern“, das die Grundlage für unseren sich allmählich entwickelten, ganzheitlichen Trainingsstil werden sollte, und unser Methusalem-Hund seine ersten Kunststückchen.

Statt eines Clickers, eine Art Knackfrosch, der in dieser Trainingsform der Rückmeldung dient, verwendete ich für meinen tauben Hund eine Taschenlampe. Pammi verstand schnell, dass das Aufblinken der Lampe „Richtig“ bedeutete und von einer Belohnung gefolgt sein würde.

                                                                                                                                                                                                                                                                       

Wir wählten selbstverständlich nur einfache, körperlich nicht allzu anstrengende Tricks, aber Pammi lernte schnell und mit Begeisterung.

   

 

 

 

 

 

 

Und sie blühte auf. Sie wirkte um Jahre jünger, war voller Energie und Tatendrang. Aber noch etwas veränderte sich: ihre Ängstlichkeit. Alle, die sie von früher her gekannt hatten, waren über die Veränderung in diesem hohen Alter erstaunt und wollten wissen, welches Wundermittel wir angewandt hatten. Noch mehr staunten sie, als ich erklärte, das „Wundermittel“ bestünde in Winken mit der Pfote, kleinen Reifensprüngen, dem Spanischen Schritt, dem Slalomlaufen durch meine Beine und ähnlichen Übungen.

Pamina ist siebzehn Jahre alt geworden. So lange sie lebte, hatte sie große Freude am Training, was man schon daran sehen konnte, dass sie tagtäglich unaufgefordert zum Üben erschien.

                                                                                                                                                                                                              

        Als unser Schweinchen Piccolino zu uns kam, beteiligte sie sich mit enormem Engagement an dessen Übungen und ich trainierte beide Tiere gemeinsam.                                                                

 

 

 

 

 

 

Unser erster tricktrainierter Hund wird für immer unvergessen bleiben. Besonders dankbar sind wir dafür, dass Pamina die Beschäftigung mit Kunststückchen bis zu ihrer Erkrankung am Schluss noch eine unerwartet lange Zeit voller Lebensfreude geschenkt hat.

 

 

PICCOLINO

Da wir schon oft von der Intelligenz und der Liebenswürdigkeit von Schweinen gehört hatten, wurde der Wunsch, ein Minischwein zu besitzen, immer größer. Wir gingen auch davon aus, dass ein zweites Tier unserer Pamina, die niemals ein „Einzelkinddasein“ geführt hatte, gut tun würde, wollten der alten Hündin jedoch keinen lebhaften Welpen zumuten. So kam Piccolino zu uns, der sich als wahres Lerngenie entpuppte. Bereits innerhalb seiner ersten Lebensmonate zeigte er über dreißig Tricks.

          

  Auch das Laufen an der Leine war bald erlernt.  

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                                       

 Aus unserem winzigen Ferkelchen, das wir, angetan mit einem Katzengeschirrchen, spazieren führten, ist inzwischen ein erwachsenes, „richtiges“ Minipig geworden.

 

 

 

 

Eines aber hat sich nicht verändert: Seine Freude am Lernen, seine Kreativität und seine Liebenswürdigkeit.

Es heißt, Schweine würden ungefähr viermal so schnell lernen wie Hunde. Es ist immer problematisch, solche Dinge zu verallgemeinern. Eines ist jedenfalls richtig: Picco ist nach wie vor der Cleverste unter unseren Trickkünstlern. Beim Erarbeiten neuer Kunststücke legt er ein atemberaubendes Tempo vor und beim Durchschauen von Zusammenhängen ist er einfach unschlagbar.

   

DELI

Unsere Deli ist ein ehemaliger Straßenhund aus Kuba. Sie war äußerst schüchtern und ängstlich, als sie im Alter von zwei bis drei Jahren zu uns kam. An Deli durfte ich zum zweiten Mal die Verwandlung eines Hundes in ein lebensfrohes, vertrauensvolles Tier erleben. Natürlich spielte es dabei eine Rolle, dass sie, nach zwei Zwischenstationen in Deutschland, nun ein Zuhause hatte, in dem sie willkommen, geliebt und gut versorgt war. Dennoch konnte ich die deutlichsten Veränderungen wahrnehmen, nachdem wir mit dem Tricktraining begonnen hatten und auch später zeigten sich positive Veränderungen immer dann, wenn Deli im Training große Fortschritte machte. Tricks zu üben geht unserer Deli inzwischen über alles und das Training kann ihr gar nicht lange und häufig genug sein.

 

  

        Heute ist Deli ein fröhlicher, selbstbewusster, kleiner Hund.

 

 

 

 

 

       

     

SUNNY

Wer einen Cairn-Terrier (gesprochen Kern-Terrier) besitzt, versteht den Begriff „Kern-Energie“ plötzlich in ganz neuer Weise.

                                                                                                                                                                                                                                  

     Unser Energie-Bündel Sunny kam als kleiner Welpe zu uns, wurde von Deli  liebevoll und energisch erzogen und wuchs von Anfang an in das Tricktraining hinein.

 

 

 

 

Auch Sunny hat unzählige Kunststückchen gelernt – allein, gemeinsam mit Freundin Deli, als Mitglied meiner „großen gemischten Zeit-Raubtiergruppe“ (Piccolino, Deli, Sunny) und sogar gelegentlich zusammen mit unsern Waschbären Monty und Paul. Und natürlich werden alle Tricks mit dem Cairn-Terrier-eigenen Charme und großer Begeisterung ausführt.

 

 

MONTY UND PAUL, WASCHBÄRENBRÜDER

   

                                                                                                                                                                                                                                           Unsere Waschbären Monty und Paul sind Waisenkinder. Zusammen mit drei Schwestern, die inzwischen auch an gute Plätze vermittelt worden sind, wurden sie fast neugeboren auf  einem Dachboden in der Gegend von Kassel gefunden.

 

                                           

 

 

 

 

 

Die beiden bewohnen ein geräumiges Außengehege und ein eigenes Zimmer. Spielerisches Beschäftigungstraining mit kleinen Kunststückchen befriedigt neben unterschiedlichen „Knobelspielen“ ihren Betätigungsdrang und die waschbärentypische Neugier.

   

BENNY UND FLO, PARMAKÄNGURUS

Unsere beiden Wallabys stießen als letzte zu unserer kunterbunten Tierfamilie. Wir haben sie aus dem Berliner Zoo übernommen, da sie als überzählige Männchen abgegeben werden mussten.

 

 

    

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                                                                                                                  

      Inzwischen haben sie sich hervorragend eingelebt und vor allem mit unserer Sunny Freundschaft geschlossen.    

 

 

 

 

 

 

 

Als Zootiere kannten sie zwar Menschen, duldeten sie jedoch nicht in ihrer Nähe. Inzwischen haben sie sich auch mit uns Zweibeinern angefreundet. Sie kommen willig heran und nehmen ihre Lieblingsleckerchen, dünne Bananenscheiben bereits gerne aus unserer Hand und lernen auch erste, einfache Übungen.

 

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