MINIPIGS HALTUNG, ERZIEHUNG,
BESCHÄFTIGUNG
· EIN
MINIPIG FÜR SIE? ÜBERLEGUNGEN VOR DEM KAUF
· ERNÄHRUNG
UND GESUNDHEITSPFLEGE
· AUSWAHL UND ANSCHAFFUNG EINES MINIPIGS
· ERZIEHUNG UND BESCHÄFTIGUNG VON MINIPIGS
WARUM UND WIE?
· DER
SCHWEINE-KNIGGE UND MINIPIG-GEEIGNETE TRICKS
Immer mehr Menschen verlieben sich in die kleinen
Borstis: Minipigs wurden zuerst in Amerika als Heimtier gehalten,
inzwischen erobern sie auch in unseren Breiten zunehmend Häuser
und Gärten von Tierfreunden, vor allem aber ihre Herzen.
Minischweinchen sind hochintelligent, außerordentlich sauber,
vollkommen geruchlos, zärtlich und mitteilsam, dabei
aber ruhige und sehr anhängliche Tiere. Eine gewisse Neigung zur
Dickköpfigkeit kann man ihnen allerdings nicht absprechen.
Schweine, also auch die Minis, sind Tiere mit ausgeprägtem,
starkem Charakter.
In der Haltung sind die Schweinchen recht
anspruchsvoll. Sie brauchen aufgrund ihrer hohen Intelligenz sehr
viel Ansprache und lieben die Nähe ihres Menschen.
Leider kommt es
häufig zu Problemen und viele Schweinchen werden nach
anfänglicher Begeisterung wieder abgegeben. Ein Grund dafür
ist, dass aus den süßen, handlichen Ferkelchen erwachsene
Minipigs werden, die in Größe und Gewicht die Vorstellungen des
Besitzers weit überschreiten und in manchen Fällen auch nicht
den Angaben der Züchter entsprechen. Minipigs wachsen sehr
lange, in der Regel bis zum vierten Lebensjahr. Eine Größe von
40 bis 50 cm bei einem Gewicht von 30 bis 50 kg ist durchaus
normal, viele Schweinchen werden auch wesentlich größer und
schwerer.
Häufige Anfragen verzweifelter Minipigbesitzer,
die sich ihr Tier mit völlig falschen Vorstellungen über dessen
Bedürfnisse angeschafft haben, zeigen, wie wichtig es ist, sich
mit den Haltungsvoraussetzungen und eventuell auftretenden
Problemen gründlich auseinanderzusetzen.
Die Meinungen über die Haltung, Pflege und
Ernährung von Minipigs gehen in vielen Punkten sehr auseinander.
Das mag zum Teil daran liegen, dass Schweinchen erst seit relativ
kurzer Zeit als Heimtiere gehalten werden und sich das, was wir
über Nutzschweine wissen, nicht Eins zu Eins auf in der Familie
lebende Minischweinchen übertragen lässt. Andererseits stecken
auch einfach recht unterschiedliche Grundeinstellungen hinter den
oft extrem widersprüchlichen Auffassungen.
EIN MINIPIG FÜR SIE? ÜBERLEGUNGEN VOR DEM KAUF
Am liebsten würde ich Ihnen einfach sagen:
Minipigs sind hinreißende, kluge und anhängliche Tiere. Holen
Sie eines oder zwei zu sich nach Hause, Sie werden Ihre helle
Freude haben. Aber abgesehen von bestimmten räumlichen und
zeitlichen Bedingungen, die erfüllt sein sollten, damit die
Tiere sich wohlfühlen, sind wir bei der Haltung von Minipigs mit
einigen Problemen konfrontiert, die bei herkömmlicheren
Heimtierarten nicht auftreten, z. B. mit dem rechtlichen Status
der Mini-Schweinchen und möglicherweise der Schwierigkeit, einen
geeigneten Tierarzt zu finden.
Der rechtliche Status
Bringen wir das unangenehmste Thema rund um die
Haltung von Minipigs als erstes hinter uns: Minischweinchen sind,
auch wenn sie noch so klein sind und als Heimtiere gehalten
werden, vor dem Gesetz einfach Schweine und damit
Vieh. Sie müssen Ihr Schweinchen also bei der
Tierseuchenkasse/Landesveterinäramt anmelden, andernfalls
riskieren Sie eine hohe Geldstrafe. Der Status Vieh
bedeutet, dass im schlimmsten Fall, sollte in Ihrer Umgebung eine
Seuche ausbrechen, die Behörden Ihr Haus unter Quarantäne
stellen können oder sogar Zugriff auf Ihr Tier haben.
Leider waren bisher alle Bemühungen, für die
als Heimtiere gehaltenen Schweine eine Regelung zu erwirken, die
ihnen einen Sonderstatus verleiht, erfolglos. Bis heute war
meines Wissens nach noch nie ein Minipig-Halter von drastischen
Maßnahmen betroffen. Übertriebene Sorgen sind also nicht
angebracht. Vielleicht ist es aber doch zu überlegen, Minipigs
nicht unbedingt in schweinereichen Gegenden, z. B. in der Nähe
von Mastbetrieben zu halten.
Dennoch bleibt die Überlegung oder
Hoffnung? ob es nicht möglich wäre, dass Tierfreunde und
Minipig-Halter zusammen mit allen Interessensgemeinschaften und
Züchtern, die für dieses eine Anliegen ihre Diskrepanzen doch
einfach zurückstellen könnten, zu erreichen, dass diese
unerträgliche Regelung abgeschafft wird. Massentötungen, auch
von gesunden Tieren, bei Schweinepest beispielsweise, dienen
keineswegs dem Schutz des Menschen, denn diese Krankheit kann gar
nicht auf den Menschen übertragen werden. Sie dienen lediglich
der Beschränkung wirtschaftlicher Verluste. Selbst wenn ein gut
gehaltenes Minipig an einer Seuche erkranken würde, was sehr
unwahrscheinlich ist, ginge von ihm kaum eine Gefahr aus, da es
ja in der Regel nicht mit Mastschweinen in Berührung kommt.
Unter dieser Bedingung und unter der Auflage, dass die als
Heimtier gehaltenen Schweinchen nicht in den
Nahrungskreislauf gelangen, also nicht geschlachtet werden
dürfen, müsste es durchaus möglich sein, eine Ausnahmeregelung
entsprechend dem Equidenpass für Pferde zu erreichen, wenn sich
nur genug Menschen dafür einsetzten.
Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang ist:
Die Beiträge zur Tierseuchenkasse sind sehr niedrig, etwa zwei
Euro pro Tier und Jahr. Die Anmeldung ist unkompliziert und
unbürokratisch. Weitere Abgaben müssen Sie nicht leisten, aber
eine Haftpflicht-Versicherung ist in jedem Fall empfehlenswert.
Die Wahl des Tierarztes
Die Suche nach einem geeigneten Tierarzt für ein
Minipig kann sich manchmal schwierig gestalten. Tierärzte, die
eine Kleintierpraxis betreiben, können oft mit Schweinen nicht
umgehen, bzw. dürfen diese gar nicht behandeln. Aber auch der
Landtierarzt kann vor Problemen stehen: Die Dosierung von
Arzneien kann kompliziert sein, da die Abnehmer von Medikamenten
meist Großbetriebe mit sehr vielen Tieren, die zudem ein ganz
anderes Körpergewicht auf die Waage bringen, sind. Bestimmte
Medikamente und Impfungen dürfen dem Schweinchen überhaupt
nicht verabreicht werden, da das Gesetz ja keinen Unterschied
zwischen Nutzschweinen und den als Hausgenossen gehaltenen
Minipigs macht.
Klären Sie am besten vor der Anschaffung, ob es
in erreichbarer Nähe einen Tierarzt gibt, der Ihr Schweinchen
medizinisch betreuen kann und möchte. Fragen Sie auch bei Ihrem
Züchter nach, ob der die Zucht betreuende Veterinär unter
Umständen bereit ist, Ihrem Haustierarzt bei auftretenden
Problemen telefonisch weiterzuhelfen. Vor allem dann, wenn eine
Behandlung unter Narkose erforderlich werden sollte, muss sich
der Tierarzt sehr gut auskennen, da Schweine sehr empfindlich auf
Narkosemittel reagieren.
Einzelschweinchen oder Paarhaltung?
An diesem Punkt scheiden sich die Geister nicht
nur, hier scheinen zwei konträre Welten aufeinanderzuprallen.
Die einen sagen, man könne ein Minipig wie ein Hund halten. Für
die anderen wieder ist es pure Tierquälerei, Schweinen die
Artgenossen vorzuenthalten, schließlich seien diese Rudel- bzw.
Rottentiere.
Keine dieser beiden Ansichten, scheint mir
allerdings ganz richtig zu sein. Da ein Schweinchen ganz andere
Bedürfnisse hat wie ein Hund, kann man es selbstverständlich
nicht wie einen Hund halten, erst recht nicht, wenn damit gemeint
ist, das Tier könne sich den ganzen Tag in der Wohnung aufhalten
und würde mit einem Spaziergang an der Leine zufrieden sein.
Aber auch die oft vehement vertretene Einstellung, Schweine seien
Rottentiere, sie brauchten daher unbedingt den sozialen Kontakt
zu anderen Schweinen, stimmt so nicht.
Grundsätzlich ist es richtig, dass Schweine in
Gruppen, sogenannten Rotten, leben. Die Wildschweinrotte besteht
jedoch immer nur aus weiblichen Tieren, die alle miteinander
verwandt sind, sowie deren Frischlingen. Schon nicht verwandte
Tiere werden als Feinde betrachtet und vertrieben. Männliche
Tiere verlassen die Rotte im Alter von einem Jahr, tun sich als
sogenannte Überläufer manchmal für einige Zeit mit anderen
jungen Keilern zusammen. Ab einem Alter von zwei Jahren leben
Keiler als Einzelgänger.
Der Wildschweinforscher Heinz Meynhardt schreibt:
Die Tatsache, dass die Stammform unserer
Hausschweine, die Wildschweine, sich nicht wahllos
zusammenrotten, sondern in engen Familienverbänden leben, also
niemals fremde Tiere in die Gruppe aufnehmen, könnte bestimmte
Aggressionen in fremd zusammengestellten Gruppen von
Hausschweinen erklären.
(Heinz Meynhardt: Mein Leben unter Wildschweinen.
Schwarzwild-Report. Neumann Verlag, Leipzig Radebeul 1990)
Das Hauptargument der Vertreter der
artgerechten Rottenhaltung ist, soweit es männliche
oder nicht miteinander verwandte weibliche Tiere betrifft, also
schlichtweg falsch! Ebenso zweifelhaft ist die leider sehr
übliche Antwort an Minipig-Halter, die wegen welcher Probleme
auch immer Rat suchen: Schaffen Sie sich ein zweites
Schwein an!
Ob Schweine, egal welchen Geschlechts, den
Menschen als Sozialpartner sehen, ist nämlich keine Frage
angeborener Vorlieben, sondern eine Frage der Sozialisation.
Früh an den Menschen und andere Haustiere gewöhnte Schweinchen
werden sich diesen eng anschließen und ihre Familie
voll akzeptieren. Immer wieder zeigt sich, dass Minipigs
keineswegs glücklich sind, wenn man sie mit
Artgenossen zusammenführt, sondern diese vehement ablehnen.
Schlimme Beißereien, manchmal auch mit Todesfolge, sind immer
wieder der Preis für Zwangsvergesellschaftungen von Schweinen.
Auch das von Vertretern der
Rottenhaltung-um-jeden-Preis in Hinblick auf diese Erfahrung
immer wieder benutzte Wort Fehlprägung ist falsch.
Zum einen wäre damit praktisch jedes Tier, das sich dem Menschen
anschließt, fehlgeprägt, zum anderen wären das
letztlich auch sämtliche freilebende Wildschweine, die sich ja
ebenfalls gegen jedes Zusammenleben zur Wehr setzen würden, das
nicht der natürlichen Rottenbildung unter blutsverwandten
weiblichen Tieren entspricht.
Ich würde dieses absurde Argument gar nicht
erwähnen, hätte ich im Rahmen der tierpsychologischen Beratung
nicht immer wieder mit Menschen zu tun gehabt, die sich
entsetzliche Vorwürfe machten, weil sie mit dieser Idee
konfrontiert worden waren und nun glaubten, ihrem Tier nicht nur
durch bisherige Einzelhaltung, sondern sogar durch den Aufbau
einer engen Mensch-Tierbeziehung Entsetzliches angetan zu haben.
Oft meinten sie dann, koste es was es wolle, ein zweites
Schweinchen anschaffen zu müssen. In vielen Fällen wurden auf
diese Art vergesellschaftete Minischweine nicht nur gegen den
ungeliebten Artgenossen, sondern auch gegen Menschen aggressiv.
Wichtiger als alle theoretischen Überlegungen
ist es, die Tiere und ihr Verhalten zu beobachten. Es ist gar
nicht so schwierig, festzustellen, ob es einem Schweinchen gut
geht oder nicht. Ein zufriedenes Schweinchen ist, zumindest so
lange es jung ist, lebhaft und voller Tatendrang. Es ist
zeitlebens neugierig und interessiert, ohne unruhig oder hektisch
zu sein. Sollten Sie allerdings Zweifel haben, ob es Ihrem
kleinen Freund als Einzelschweinchen gut gehen wird, ob ihm nicht
doch etwas fehlen wird, sollten Sie von der Einzelhaltung in
jedem Fall absehen. Zweifel und schlechtes Gewissen
übertragen sich in Form von Beunruhigung auf das Tier und ein
beunruhigtes Schweinchen ist kein zufriedenes Schweinchen.
Bedenken sollte man jedoch, dass die
Einzelhaltung von Minipigs sehr intensiv ist in jeder
Hinsicht, auch in zeitlicher. Ist den größten Teil des Tages
jemand zu Hause? Kann das Schweinchen jederzeit nach draußen,
darf es aber auch ins Haus kommen und viel um Sie sein? Haben Sie
genügend Zeit, ihm ein Beschäftigungs-Programm zu bieten, das
über die Erfordernisse der Erziehung hinausgeht? Gibt es einen
Ruheplatz, an dem es mit Ihnen kuscheln darf? Wärmelampen und
Heizkissen sind ein mehr als dürftiger Ersatz für körperliche
Nähe und wohl auch gar nicht besonders gesund für ein
Schweinchen. Halten Sie und Ihre Familie sich viel im Freien auf?
Schweinchen können sich auch auf der schönsten Buddelwiese
schnell langweilen, wenn sie dort lange Zeit alleingelassen
werden. Wie sieht es mit Ihren Urlaubsgewohnheiten aus? Ein
Schweinchen kann man nicht so ohne weiteres fast überall hin
mitnehmen, wie man das mit einem Hund kann. Auch Tierpensionen
werden Ihr Haustier wahrscheinlich nicht aufnehmen wollen.
Sollten Sie Tag für Tag viele Stunden außer
Haus sein, haben Sie nur unregelmäßig Zeit, mit Ihrem Minipig
zu trainieren und sich mit ihm zu beschäftigen, sollten Sie sich
für zwei Schweinchen entscheiden, und dies möglichst von Anfang
an. Die sinnvollste Möglichkeit ist die Anschaffung von
Wurfgeschwistern, am besten von zwei weiblichen Tieren, die auch
in der Natur zusammen leben würden, während ich für die
Einzelhaltung zu einem kastrierten Eber raten würde. Zwei
kastrierte Männchen oder ein männliches und ein weibliches
Tier, die aus demselben Wurf stammen, werden mit großer
Wahrscheinlichkeit gut und zufrieden miteinander leben. Zwei
Schwestern aber, oder auch Mutter und Tochter, die zusammen
gehalten werden, werden einander lieben.
Zwei oder mehrere Minipigs können Sie
überwiegend oder ganz draußen halten. Mit Sicherheit ist es
einfacher, jemanden zu finden, der die Tiere draußen versorgt,
als jemand, der ein einzelnes, anspruchsvolles Minipig aufnimmt,
wenn Sie einmal weg müssen.
Haben Sie gehört, dass paarweise oder in Rotten
gehaltene Minipigs nicht richtig zahm werden? Auch das ist ein
Aberglaube. Wenn Rottenschweinchen nicht richtig zahm und
zutraulich werden, liegt es in der Regel eher daran, dass sich
ihre Besitzer oftmals weniger mit ihnen befassen als mit einem
Einzelschweinchen, als daran, dass diese sich nicht für Menschen
interessieren würden, wenn sie einen Artgenossen haben.
Von Anfang an sollten Sie die Schweinchen auch ab
und zu mal trennen zunächst für ganz kurze Zeit
wobei das zurückgebliebene Minipig mit einer dicken Möhre
getröstet, beschäftigt und abgelenkt wird. Sollen Ihre
Schweinchen beispielsweise leinenführig werden, müssen Sie
getrennt mit ihnen trainieren, aber auch für den Fall eines
Tierarztbesuchs kann es wichtig sein, dass Ihre Tiere diese
Situation kennen.
Auch zu zweit kann das Schweineleben sehr
langweilig sein, wenn das Bedürfnis nach Beschäftigung nicht
gestillt wird. Frei lebende Schweine beschäftigen sich nämlich
nicht überwiegend mit sozialen Aktivitäten, wie das oft
angenommen wird, sondern mit der Futtersuche. Da wir unseren
Minis die freie Futterbeschaffung nur in begrenztem Maße bieten
können, muss Ihr Betätigungsdrang auf andere Weise gestillt
werden, zum Beispiel in Form eines Beschäftigungstrainings. Die
Gefahr, dass dieses ausfällt, weil Sie gerade so viel zu tun
haben und die Minis ja ohnehin miteinander glücklich
sind ist wesentlich größer, als bei einem
Einzelschweinchen.
Auf die Frage, ob Sie besser ein oder zwei
Schweinchen anschaffen, gibt es also keine eindeutige Antwort.
Sie hat eher mit Ihren Wünschen, Einstellungen und Vorlieben zu
tun, vor allem aber mit Ihren Lebensumständen und zeitlichen
Möglichkeiten.
Wohnungshaltung contra Stallhaltung
Wahrscheinlich werden Sie immer wieder zu hören
bekommen, dass Schweine nur im Stall und auf Stroh gehalten
werden dürfen. Die Meinung vieler Minipig-Züchter und -Halter
ist, es sei zwar in Ordnung, wenn das Schweinchen auch mal ins
Haus darf, aber es müsse wissen, dass es im Stall wohnt. Diese
Meinung teile ich nicht. Sicher ist es für ein Minipig
vollkommen in Ordnung, überwiegend draußen zu leben, sofern es
einen Artgenossen oder auch ein anderes Tier, mit dem es sich gut
versteht, zur Gesellschaft hat und ausreichend beschäftigt wird.
Auf der anderen Seite werden Sie wohl kaum eine so intensive
Beziehung zu Ihren Tieren aufbauen, wenn sie nur ab und zu
hereinkommen dürfen, wie wenn sie viele Stunden am Tag um Sie
sind. Die enge Beziehung zu ihrem Schweinchen ist aber genau das,
warum die meisten Menschen sich ein Minipig wünschen. Letztlich
ist dies wohl eines der wichtigsten Motive überhaupt, aus denen
wir Heimtiere halten.
Bei einem einzeln gehaltenen Minipig rate ich von
der reinen Stallhaltung dringend ab. Zwei Schweinchen, bzw. ein
Schweinchen und ein anderer tierischer Freund, werden sich auch
über Nacht in einem kleinen Ställchen oder einem Schweine-Iglu
mit viel Stroh wohlfühlen. Ein Einzelschweinchen wird es mit
Sicherheit vorziehen, in einem Hundekörbchen in der Wohnung
übernachten, weil es so in der Nähe seiner Menschen bleiben
kann.
Räumliche Gegebenheiten
Minipigs brauchen unbedingt einen eigenen,
eingezäunten Auslauf. Schweine benötigen Luft, Licht und
Bewegungsfreiheit. Darüber hinaus haben sie das Bedürfnis zu
graben. Der Minipig-Privatgarten ist schnell umgewühlt. Bieten
Sie daher ausreichend Stroh an, mit dem sich die meisten
Minischweine gern eine Zeit lang beschäftigen, und legen Sie
eine Suhle an, die der Körperpflege und im Sommer auch der
Abkühlung dient. Dazu heben Sie einen flachen Graben aus, legen
Teichfolie aus, bedecken diese mit Erde und halten sie feucht.
Unser Schweinchen Piccolino macht sich zwar
nichts aus Stroh, läuft aber viele Stunden täglich frei in
unserem großen Garten und ist dort mit Weiden beschäftigt. Auch
eine Suhle lehnt Piccolino ab. Er liebt jedoch sein
Planschbecken, in dem er im Sommer mit großem Genuss badet.
Wichtig ist es auch, dass der Schweinchen-Auslauf
Schutz vor praller Sonne bietet. Schweine, besonders weiße,
können sich durchaus einen Sonnenbrand oder sogar einen
Hitzeschlag zuziehen.
Wenn Sie über keinen eigenen Garten verfügen,
sollten Sie auf die Haltung eines Schweinchens in dessen aber
auch in Ihrem eigenen Interesse verzichten. Spaziergänge an der
Leine sind eine wunderbare Abwechslung, die eine Menge Anregungen
bieten, aber sie ersetzen den Spiel- und Buddelplatz nicht.
Möglicherweise wird es Ihnen auch irgendwann zu langweilig und
zu belastend, Tag für Tag Ihrem angeleinten Schweinchen
mindestens eine Stunde lang beim Graben zuzusehen. Besonders
problematisch ist dies, wenn Sie in der Stadt wohnen. Sie werden
sich nicht eben beliebt machen, wenn Ihr Minipig die gepflegte
Stadtparkanlage auf seine Weise umgestaltet.
Sorgen Sie dafür, dass Ihr/e Schweinchen auf der
einen Seite genügend Auslauf sowie eine Weidemöglichkeit und
auf der anderen sehr viel Kontakt zu Ihnen, der Bezugsperson,
hat/haben und alle werden zufrieden sein.
Aber auch falls Sie einen sehr gepflegten Garten
Ihr Eigen nennen und Wert darauf legen, dass dies so bleibt,
sollten Sie gut überlegen, ob Minischweinchen die richtigen
Haustiere für Sie sind. Das Wühlen ist ein Teil des
natürlichen Verhaltens von Schweinen. Es wird manchmal weniger,
wenn die Tiere älter werden, aber es lässt sich nicht
verhindern.
Bei unserem Schweinchen hat sich die Kombination
von kürzerem Aufenthalt im Auslauf und anschließendem Freilauf
im Garten gut bewährt. Wenn Piccolino etwa eine Stunde in seinem
eigenen kleinen Garten zugebracht hat, hat er meist genug
gewühlt und freut sich dann, weiden zu dürfen. Mit Ausnahme der
Herbst- und Vorfrühlingsmonate, in denen das Gras nicht
besonders gut schmeckt, bleibt die Wiese auf diese Weise heil.
Sollte das Schweinchen nur über Treppen zu Ihnen
ins Haus gelangen können, kann dies ein großes Problem
darstellen. Oft wird behauptet, Schweine seien nicht fähig,
Treppen zu benutzen. Das ist nicht richtig. Jedes Minipig kann
lernen, über Treppen zu laufen, es ist ausschließlich eine
Frage des Trainings. Sobald die Tiere aber größer und schwerer
werden, entsteht beim Abwärtslaufen über sehr viele Stufen ein
unverhältnismäßiger Druck auf die Klauen oder wie ich
lieber sage die Hufe. Es kann zu Rissen und Blutergüssen
kommen und Ihr Mini kann plötzlich nicht mehr nach drinnen oder
noch schlimmer nach draußen. Einige wenige Stufen,
z. B. an einer Terrasse oder vor der Wohnungstür sind allerdings
unbedenklich.
In der Wohnung brauchen Sie einen sicheren Raum
für Ihr Minipig, zumindest so lange das Schweinchen noch klein
ist. Stellen Sie sicher, dass dort keine Verletzungsgefahr für
das Tier besteht, wenn es von der schweinetypischen
Experimentierfreude gepackt wird, zum Beispiel durch elektrische
Kabel.
Immer wieder hört und liest man, Schweine
könnten auf glattem Boden nicht laufen. Unser Piccolino hat
keinerlei Schwierigkeiten, sich auf Holz-, Keramik- oder
Laminatböden sicher zu bewegen. Dies hängt aber sicher damit
zusammen, dass er auch körperlich gut trainiert ist. Legen Sie,
speziell am Anfang, am besten alte Teppiche oder
Teppichbodenreste aus. Auf diesen wird auch ein übermütig
hopsendes, kleines Ferkelchen vor Verletzungen geschützt sein.
Als Schlafkörbchen wählen Sie am besten einen
Hartschalenkorb mit vielen Decken zur freien Gestaltung des
Nachtlagers. Es gibt wunderschöne, weiche Kuschelkörbchen für
Hunde, die auch Minipigs sehr schätzen. Sobald sie aber entdeckt
haben, dass man diese zerlegen kann, werden sie dies tun und es
ist praktisch unmöglich, das abzuerziehen. Das
Zerfetzen von Polstermaterial entspricht einem natürlichen
Verhalten, dem Bedürfnis, den Schlafkessel einzurichten
Schaumgummi und Watte, das gesamte Innenleben solcher Körbchen,
eignet sich natürlich hervorragend für diesen Zweck! Wenn Ihr
Schweinchen nicht auf Stroh schläft, in dem es sich sein Lager
zurechtwühlen kann, stellen Sie ihm einige alte Decken zur
Verfügung. Das Minipig wird mit großer Hingabe sein Bett
machen und die Decken heiß lieben.
Junge Schweinchen drehen jeden Napf um, den sie
vor den Rüssel kriegen. Dies natürlich nicht, so lange er mit
etwas Leckerem gefüllt ist. Sobald aber die Mahlzeit beendet
ist, wird das Essgeschirr durch Umdrehen aufgeräumt.
Sie können also einen ganz normalen Hundefressnapf für das
Futter verwenden. Besorgen Sie aber einen schweren
Keramiktrinknapf, der so gestaltet ist, dass das Minipig nicht
ohne weiteres mit dem Rüssel einfädeln kann (z. B. an
Eingriffen), denn sonst müssen Sie mit Überschwemmungen in der
Wohnung und ständig geleerten Trinknäpfen im Freien rechnen.
Was noch zu bedenken ist
·
Vor der Anschaffung eines oder mehrer Minipigs sollten Sie sicher
sein, dass wirklich alle Familienmitglieder mit dem/den neuen
Hausgenossen nicht nur einverstanden sind, sondern auch, was
Erziehung, Umgang mit dem/den Schweinchen und Fütterung
betrifft, wirklich an einem Strang ziehen.
·
Vernünftig sozialisierte und liebevoll erzogene Minipigs sind in
der Regel freundlich zu Kindern. Sie können allerdings ein wenig
ruppig sein und sind daher nicht unbedingt die idealen
Spielgefährten für Kleinkinder. Größere Kinder werden aber
viel Freude an ihnen haben.
·
Stellen Sie sicher, dass Ihre Nachbarn nichts gegen Ihren neuen
Mitbewohner einzuwenden haben. Obwohl Schweinchen ruhige Tiere
sind, kann es vorkommen, dass Sie sich auch mal sehr lautstark
äußern wenn sie etwas wollen, bzw. nicht wollen.
Erklären Sie Ihren Nachbarn, dass dies die Ausnahme von der
Regel ist und sie weder dauernden Lärm noch irgendeine
Geruchsbelästigung befürchten müssen. Gut gehaltene
Schweinchen riechen nicht. Selbst in einer Wohnung, in der sich
ein Minipig aufhält, werden Sie keinerlei Geruch wahrnehmen.
·
Mit anderen Haustieren wie Hunden oder Katzen gehen Schweinchen
in der Regel freundschaftlich, aber oft etwas respektlos um.
Immer wieder entstehen dicke Freundschaften zwischen Hund und
Minipig und andere Haustiere sind eine Bereicherung des
Schweinchenlebens. Dennoch gibt es Hunde, die auf das
selbstbewusste Verhalten der kleinen Rüssler aggressiv oder auch
mit Angst reagieren. Falls Sie schon einen Hund besitzen, werden
Sie selbst am besten beurteilen können, ob dieser ein geeigneter
Gefährte für ein Minipig sein kann. Kommt ein Welpe in eine
Familie, in der schon ein Schweinchen lebt, kann dieses sehr
eifersüchtig reagieren. Hier ist geduldige, einfühlsame
Gewöhnungsarbeit notwendig. Da auch sehr kleine Schweinchen
problemlos recht große Hunde von ihrem Fressnapf wegtreiben,
sollten Sie besser getrennt füttern.
·
Wenn Sie mit Ihrem Minipig auch an der Leine spazieren gehen
möchten, sollten Sie sich darüber klar sein, dass Sie große
Aufmerksamkeit erregen werden und so gut wie immer im Mittelpunkt
stehen. Machen Sie sich auf dumme Sprüche gefasst. Manche Leute
können es nicht unterlassen, Sie zu fragen, ob Sie Ihren
Sonntagsbraten ausführen, ob sie denn auch ein Kotelett abhaben
könnten oder ähnliches. Es kann auch vorkommen, dass Sie auf
ganz besonders engagierte Tierschützer treffen, die
Ihnen vorwerfen, es sei Tierquälerei, ein Schwein an der Leine
zu führen (was natürlich kompletter Unsinn ist). Die meisten
Menschen aber reagieren freundlich und interessiert.
·
Bitte bedenken Sie vor allem, dass ein Minipig eine
Lebenserwartung von etwa fünfzehn Jahren hat. Es wird Sie
lieben, wenn es bei Ihnen lebt, und es wird sein ganzes
Minipig-Leben bei Ihnen verbringen wollen.
ERNÄHRUNG UND GESUNDHEITSPFLEGE
Ihr Schweinchen benötigt eine ausgewogene
Ernährung, deren Hauptbestandteile Getreide, Gemüse (mit
Ausnahme von Kohl, Zwiebeln und rohen Kartoffeln) und Obst sind.
Dazu sollte unbedingt der tägliche Weidegang kommen. Das
Verfüttern von Essensresten ist per Gesetz verboten und auch
gefährlich. Bestimmte Seuchen brechen immer wieder aufgrund
falscher Schweine-Fütterung aus.
Obwohl frei lebende Schweine auch Fleisch
fressen, sollten Sie Ihr Minipig vegetarisch ernähren. Durch
Fleisch werden leicht gefährliche Krankheiten übertragen, z. B.
die Schweinepest, wohl auch dann, wenn das Fleisch gekocht wurde.
Das Schweinchen darf auf keinen Fall an Hunde- oder Katzenfutter
kommen.
Bitte verwechseln Sie nicht
vegetarisch und vegan! Ihr Minipig
braucht unbedingt etwas tierisches Eiweiß, sonst kann es zu
Mangelerscheinungen kommen. Sie können dies in Form von einem
Löffelchen Quark oder Hüttenkäse, das Sie dem Getreidebrei
hinzufügen, problemlos zuführen. Dazu füttern Sie eine
spezielle Mineralstoffmischung für Schweine. Minipigs brauchen
u. a. ausreichend Zink und Biotin zusätzlich zu ihrer normalen
Nahrung.
Völlig ungeeignet ist fertiges Schweinefutter.
Sie wollen Ihr Minipig ja nicht mästen. Es gibt auch spezielle
Minipig-Futtermischungen, mit denen ich jedoch keine Erfahrung
habe.
Ab und zu ein Stückchen hartes, getrocknetes
Brot ist gut für die Zähne. Es darf allerdings in keinem Fall
schimmlig sein. Am besten trocknen Sie das Brot sofort nach dem
Kauf im Winter über der Heizung und im Sommer an der Sonne.
Das Schweinchen sollte nicht überernährt
werden. Wie alle Schweine können Minipigs auch das verwerten,
was für uns Menschen unter Schlankheitsdiät läuft: Sie
schaffen es durchaus, auch von Äpfeln zuzunehmen. Ein Stück
Obst pro Tag ist genug. Bei uns dient der tägliche Apfel
oder auch mal eine Birne in kleine Stücke geschnitten als
Belohnung im Training. Im Herbst bin ich allerdings machtlos.
Wenn Obst von den Bäumen fällt, bleibt nichts anderes übrig,
als alles einzusammeln, ehe das immer hungrige Schweinchen in den
Garten kommt. Dennoch fallen immer wieder Äpfel oder Birnen zu
Boden. Das liebliche Plopp eines auf die Wiese
plumpsenden Obststücks ist für unser Minipig auch dann hörbar,
wenn es sich gerade am anderen Ende des (doch recht großen)
Gartens aufhält. Es entwickelt eine Geschwindigkeit, die
Rennschwein Rudi Rüssel vor Neid erblassen lassen würde, wenn
es darum geht, einen Apfel zu erwischen, ehe ich diesen
womöglich zu fassen kriege. Jeder Gedanke an die schlanke Linie
entpuppt sich in dieser Zeit als vollkommen illusorischer Wunsch.
Wenn Ihr Minipig Anzeichen einer Erkrankung
zeigt, z. B. Apathie, mehrmaliges Erbrechen, Appetitlosigkeit,
übermäßiger Ausfall der Borsten, übertriebenes Scheuern,
suchen Sie sofort Ihren Tierarzt auf.
Besonders gefährlich ist es, wenn sich die
Schweinchen bei großer Hitze überfressen. Bestimmte Erreger, z.
B. die des Rotlaufs, die sich ständig im Körper befinden,
werden unter diesen Umständen leicht aktiv und die Krankheit
bricht aus.
Wurmkuren werden, wie bei Hunden und Katzen auch,
mindestens zweimal im Jahr durchgeführt. Sprechen Sie mit Ihrem
Tierarzt auch über vorbeugende Mittel gegen Ungeziefer.
Milbenbefall ist bei Minipigs nicht
ungewöhnlich. Die Symptome sind: Vermehrtes Schubbern,
bräunliche Hautausschläge hinter den Ohren, am Bauch und an den
Innenseiten der Oberschenkel, sehr starker Schuppenbefall. Die
durch Milbenbefall ausgelöste Schweineräude ist allerdings gut
behandelbar. Es gibt auch Medikamente, die der Vorbeugung dienen.
Alle zwei Jahre wechselt das Schweinchen sein
Borstenkleid komplett. In dieser Zeit braucht es besonders viel
Zink und Biotin.
AUSWAHL UND ANSCHAFFUNG EINES MINIPIGS
Obwohl es viele Bezeichnungen gibt, die auf
unterschiedliche Minischwein-Rassen hindeuten, haben wir es nicht
mit eindeutigen Rassen wie etwa bei Hunden zu tun. Wirklich
unterscheiden kann man nur zwischen Hängebauchschwein und
Minipig.
Oftmals sollen Bezeichnungen wie
Miniaturschweinchen oder Mikroschwein signalisieren, dass es sich
hier um Tiere handelt, die garantiert sehr klein bleiben werden.
Natürlich gibt es Minipigs, die tatsächlich recht klein
bleiben. Eine Garantie aber kann niemand geben, dazu ist die
Zucht zu jung.
Leider kommt es immer wieder vor, dass unseriöse
Züchter in dieser Hinsicht falsche Versprechungen machen, ja,
die sogar behaupten, diese Rasse sei aufgrund ihrer
besonderen Kleinheit für die Haltung in jeder Wohnung geeignet,
auch einer Mietswohnung in der Großstadt und womöglich in der
vierten oder fünften Etage. Abgesehen davon, dass kein Schwein,
egal wie klein es sein mag, für eine reine Wohnungshaltung
geeignet ist, kommt es auf diese Weise immer wieder zu
regelrechten Dramen. Verzweifelte Besitzer müssen ihre Tiere
abgeben, weil sie sich auf die Aussage des Züchters verlassen
haben, aber feststellen, dass das Tier wächst und wächst, aus
Langeweile die Wohnung zerstört und möglicherweise die Treppen
des Mietshauses nicht mehr bewältigt. Auch wenn Sie kleine
Elterntiere gezeigt bekommen, muss dies nicht bedeuten, dass Ihr
Schweinchen besonders klein bleibt. Da Schweine sehr früh
fortpflanzungsfähig sind, kommt es immer wieder vor, dass die
Eltern selbst noch lange nicht ausgewachsen sind.
Bitte seien Sie besonders vorsichtig, wenn Ihnen
ein Züchter eine Garantie anbietet, dass das Schweinchen sehr
klein bleibt, vorausgesetzt Sie halten sich an einen vorgegebenen
Futterplan (der genaue Mengenangaben enthält). Leider scheint es
tatsächlich möglich zu sein, bei Schweinen durch
Mangelernährung eine Wachstumsstörung zu erzeugen. Bei
Ernährungsplänen dieser Art handelt es sich in der
Regel um eine Richtlinie zur systematischen Unterernährung.
Durch Hungern klein gehaltene Minipigs nennt man
Biafra-Schweine. Diese Tiere sind krank, ihre
Lebenserwartung ist gering und das Einhalten solcher
Diätvorschriften ist nichts weiter als drastische
Tierquälerei.
Oft ahnen die Besitzer nichts von diesen
Zusammenhängen. Ich weiß von einer Frau, die mit ihrem
schwerkranken Schweinchen von Tierarzt zu Tierarzt fuhr, bis sie
schließlich einem Professor an einer Universitäts-Tierklinik
den vom Züchter ausgehändigten Ernährungsplan zeigte, an den
sie sich immer gehalten hatte. Der Schweine-Spezialist schlug nur
die Hände über dem Kopf zusammen. In der Klinik wurde dann der
Versuch unternommen, das Tier ganz vorsichtig aufzupäppeln. Ob
es überlebt hat, habe ich nicht erfahren.
Ein seriöser Züchter wird Ihnen weder falsche
Versprechungen machen, noch wird er versuchen, Ihnen ein
Schweinchen ohne Ohrmarke und Registriernummer zu verkaufen.
Beides ist zwingend vorgeschrieben und Sie können durch die
Haltung eines nicht registrierten Schweinchens unter Umständen
große Schwierigkeiten bekommen.
Manchmal lassen Züchter männliche Tiere bereits
vor dem Verkauf kastrieren. Unkastrierte Eber sind als
Hausgenossen in der Regel nicht geeignet. Ich erlebe immer wieder
Fälle, wo ein Eber, meist ab dem Alter von zwei Jahren,
männliche Familienmitglieder angreift oder in anderer Weise
unleidlich wird. Dasselbe gilt für Tiere, die zu spät, d. h.
nach Eintreten der Geschlechtsreife kastriert wurden. Schweine
werden spät erwachsen, aber sie sind mit spätestens vier
Monaten geschlechtsreif. Es ist also sehr vorsorglich und klug
vom Züchter, männliche Minipigs gleich beim Einsetzen der
Ohrmarke kastrieren zu lassen, zumal auf diese Weise beides
zugleich schmerzfrei erledigt werden kann und so das
Narkose-Risiko minimiert wird.
Wählen Sie also lieber ein Schweinchen aus einer
guten, seriösen Zucht, als ein billiges. Natürlich ist ein
hoher Preis keine Garantie für die Qualität der Zucht. Bedenken
Sie aber bitte: Ein Züchter, der Zuchttiere und Ferkelchen gut
ernährt, pflegt, registrieren und tierärztlich versorgen
lässt, hat selbst einige Kosten und kann die Tiere nicht zu
einem Schleuderpreis abgeben.
ERZIEHUNG UND BESCHÄFTIGUNG VON MINIPIGS WARUM UND WIE?
Wer sich zwei oder mehrere Schweinchen anschafft
und sie ausschließlich draußen halten möchte, hat die Wahl,
diese zu erziehen oder auch nicht. Aber auch in reiner
Außenhaltung lebende Tiere werden für ein
Beschäftigungsprogramm dankbar sein.
Unerzogene oder falsch erzogene Minipigs aber,
die sich auch in der Wohnung aufhalten, werden schnell zu einer
Plage. Dasselbe gilt für Tiere, die sich langweilen.
Ein gelangweiltes Schweinchen wird versuchen, sich auf seine Art
zu beschäftigen, was weder der Wohnungseinrichtung noch den
Nerven ihrer Besitzer besonders gut bekommt.
Leider passiert es immer wieder, dass Minipigs
abgegeben werden, weil ihre Besitzer mit der Erziehung nicht
zurechtkommen. Es ist gar nicht einfach, einen neuen Platz für
ein Schweinchen zu finden. Die meisten Tierheime sind auf
Schweine nicht eingerichtet. Zudem gewöhnen sich Minipigs an
ihre Umgebung, sie binden sich stark an ihre Menschen und leiden
darunter, umhergeschoben zu werden.
Wie aber kommt es, dass viele Menschen mit der
Erziehung dieser lernbegierigen Tiere überfordert zu sein
scheinen und dass den Knirpsen der Ruf anhängt schwer
erziehbar zu sein?
Noch gibt es insgesamt zu wenig Information über
dieses Thema, vor allem im deutschsprachigen Raum, und zu viel
Widersprüchliches. Immer wieder kommen mir Klagen ratloser
Minipig-Besitzer zu Ohren, die gelesen oder gehört haben, dass
sie bestimmte Verhaltenweisen um jeden Preis strikt unterbinden
müssen, dass sie das Schweinchen aber auf keinen Fall anschreien
oder gar schlagen sollen. Oder sie haben gehört, dass die immer
hungrigen Kerlchen am besten mit Hilfe von Futter zu erziehen
sind. Zugleich aber erhalten sie die Anweisung, auf keinen Fall
zwischendurch Leckerbissen zu geben. Was also tun?
Die oft aufgestellte Behauptung, man müsse einem
jungen Schweinchen mit drastischen Methoden beibringen, wer
der Boss ist, weil Schweine untereinander dies auch täten,
hat der Wildschwein-Forscher Heinz Meynhard eindeutig widerlegt.
Er stellte fest: Jungtiere genießen in der Rotte
Narrenfreiheit. Die Mutter und die übrigen
erwachsenen Rottenmitglieder gehen äußerst tolerant mit den
Frischlingen um.
Tatsache ist: Mit Zwang erreicht man bei einem
Minipig nichts. Zerren, schieben oder Drücken bewirkt im
günstigsten Fall Protestgeschrei. Schweine, die geschlagen
werden, werden bissig. Souveräne und freundliche Autorität bei
absoluter Konsequenz wird jedoch problemlos anerkannt. Arbeitet
man mit positiver Verstärkung und fördert die Eigeninitiative
des Schweinchens, kommt man aus dem Staunen nicht heraus, in
welch rasantem Tempo und mit wie viel Begeisterung es lernt.
Dass ein Schweinchen so gut wie immer Appetit
hat, vereinfacht die Sache noch. Apfelstückchen oder Trockenobst
werden gerne als Belohnung genommen. Da Wildschweine bei der
Nahrungssuche oft große Anstrengungen unternehmen, nach Wurzeln
und anderen Leckerbissen zu suchen und zu graben, entspricht es
sogar besonders gut dem natürlichen Schweineverhalten, eine
ganze Mahlzeit nicht einfach vorgesetzt zu bekommen, sondern sie
zum Teil zu erarbeiten.
DER SCHWEINE-KNIGGE UND MINIPIG-GEEIGNETE TRICKS
Beginnen Sie mit Tricks. Minipigs sollten viele
Ticks lernen. Ein so kluges Köpfchen wie das eines Schweinchens
will ausgelastet sein. Es soll Schweine geben, die bis zu
dreihundert Kommandos erkennen und befolgen. Das ist eine
unglaubliche Lernkapazität und auch die Aufmerksamkeitsspanne im
Training ist sehr lang. Ein weiteres Argument für das
Tricktraining ist, dass Schweine nicht spielen wie Hunde oder
Katzen. In Freiheit beschäftigen sie sich hauptsächlich mit
Wühlen und Fressen. An Gegenständen sind sie interessiert,
alles wird genau untersucht, aber sie befassen sich immer nur
kurz damit. Spielzeug ist also nicht die ideale Lösung, wenn man
ein Schweinchen beschäftigen möchte. Auch der Wühlplatz im
Garten und der Weidegang, so wichtig beides für das Wohlbefinden
der Tiere ist, stillen den Beschäftigungsdrang nicht.
Schließlich können wir dem Minipig nicht einen ganzen Wald mit
all der Abwechslung, die er bietet, zur Verfügung stellen.
Tricktraining unterstützt die Erziehung. Ein
Trick-geschultes Minipig ist gewohnt, auf Herrchen oder Frauchen
zu achten und zu kooperieren. Es ist selbstsicher und
ausgelastet. Das ist die beste Grundlage für gutes
Benehmen.
Vorbereitung des Trainings
Besorgen Sie einen Clicker. Sie erhalten diesen
nicht in allen, aber in vielen Zoohandlungen. Testen Sie den
Clicker vor dem Kauf. Einige Modelle geben ein so penetrantes
Geräusch von sich, dass es selbst uns Menschen mit unserem viel
unempfindlicheren Gehör auf die Nerven geht, andere wieder
reagieren leicht zeitverzögert. Diese sind nicht geeignet.
Natürlich bekommen Sie Clicker auch über das Internet. Ich
finde Clicker, die an Armbänder montiert sind, sehr praktisch,
weil ich so meinen Clicker auch zwischendurch loslassen kann,
wenn ich beide Hände frei haben möchte.
Bereiten Sie vor Ihrem ersten Training
Belohnungs-Leckerchen vor. Sie können dazu zum Beispiel einen
Apfel in sehr kleine Stückchen schneiden.
Sehr praktisch ist es, die Leckerchen in einer
Gürteltasche unterzubringen. So haben Sie sie immer zur Hand und
das Schweinchen ist nicht durch einen verführerischen
Leckerchen-Teller abgelenkt.
Machen Sie nun Ihr Schweinchen mit dem Clicker
vertraut. Clicken Sie und werfen Sie ihm unmittelbar darauf ein
Apfelstückchen, oder was immer Sie als Futterbelohnung gewählt
haben, zu. Wiederholen Sie diesen Vorgang etwa zehn Mal. Das
Minipig wird dieses Spiel großartig finden und es hat nun
gelernt, was ein Click bedeutet, nämlich dass gleich eine
Futterbelohnung folgt.
Ehe Sie das erste Mal clicken, stecken sie den
Clicker am besten in die Faust und diese in eine Tasche. Das
Schweinchen soll auf keinen Fall erschrecken, wenn es das
Geräusch hört. Sie werden die Hand nach zwei bis drei Clicks
ohne weiteres aus der Tasche nehmen und nach zwei bis drei
weiteren die Faust öffnen können.
Nun kann das eigentliche Training beginnen.
Einstiegsübungen
Trick: Einen Teppich abrollen
Einen kleinen, aufgerollten Teppich abzurollen
ist eine ideale Einstiegsübung. Schweinchen sind sehr neugierig
und sie erforschen alles mit ihrem sensiblen Rüssel. Das Minipig
wird nicht widerstehen können, eine Rolle anzustupsen, die vor
ihm auf dem Boden liegt. Und schon kommt der erste Click! Nun
muss nur noch ein langer, roter Läufer angeschafft werden und ab
sofort werden alle Besucher gebührend empfangen!
Sollten Sie keinen geeigneten Teppich zur Hand
haben, beginnen Sie einfach mit einem anderen Gegenstand, den man
rollen kann, z. B. einer stabilen Plastikflasche.
Trick: Touch und Keep
mit einem Targetstick
Auch diese Übung klappt mit einem Schweinchen
sehr schnell. Ich verwende als Target, als Zielgegenstand also,
am liebsten eine Fliegenklatsche.
Touch bedeutet, das Minipig soll die
Fläche der Fliegenklatsche mit dem Rüssel berühren. Es wird
dies schon aus reiner Neugier tun.
Keep meint: Bleib mit der Nase dran
und folge dem Target. Bald lässt sich das Schweinchen auf diese
Weise durch die ganze Wohnung oder den Garten führen. Dies ist
eine Fortführung der Übung Touch. Folgt das
Schweinchen dem Target zuverlässig, lassen sich daraus viele
nette Tricks entwickeln, die wir aus dem Dogdancing kennen, der
Slalom oder die Acht durch die Beine, Drehungen und vieles mehr.
Wenn Sie möchten, können Sie, sobald das Schweinchen die
Übungen verstanden hat, Touch und Keep
oder andere Worte als zusätzliche Signale einführen. Unbedingt
erforderlich sind diese nicht, da das Requisit selbst
Signalwirkung hat.
Schweine-Knigge: An der Leine laufen
Mit der
Touch-und-Keep-Übung haben Sie bereits
alles erarbeitet, was Sie zum Erlernen des Laufens an der Leine
brauchen, eine Übung, an der schon viele Minipig-Besitzer
verzweifelt sind. Mit einem Target klappt das Leinelaufen schnell
und ohne Aufregung. Üben Sie mit Target und Leine zunächst zu
Hause. Nehmen Sie das Target ruhig zu Ihrem ersten Ausflug in die
große weite Welt mit. Sie können es mit der Zeit durch Ihre
Hand ersetzen und das Schweinchen lernt so sogar bei
Fuß zu laufen, was in manchen Situationen hilfreich sein
kann.
Die eigentliche Schwierigkeit ist die Gewöhnung
an das Geschirrchen. Geht man dabei zu schnell vor, wird das
Minipig in Panik ausbrechen. Benutzen Sie den Clicker und machen
Sie ganz kleine Schritte.
Schweine-Knigge: Auf Zuruf kommen
Clicken Sie, wenn das Schweinchen von sich aus zu
Ihnen kommt. Rufen Sie nicht: Hermann, komm! oder
Susi, hier!. Diese Worte haben zunächst für Ihr
Minipig ja noch keine Bedeutung und können daher keine Reaktion
bewirken. Ein neugieriges Minipig kommt immer wieder auf Sie
zugelaufen (vorausgesetzt, es ist bereits zahm). Dieses Verhalten
bestärken Sie mit Click und Leckerchen.
Wenn Sie keinen Clicker bei sich haben, verwenden
Sie einfach einen gut hörbaren Zungenclick, also ein
Schnalzen mit der Zunge. Der Click sollte schon kommen, während
das Schweinchen unterwegs ist. Ist es bei Ihnen angekommen,
erhält es eine Futterbelohnung.
Es empfiehlt sich, immer ein paar Leckerchen in
der Tasche zu haben, nicht nur dann, wenn Sie das Kommen auf
Zuruf üben wollen. Mit einigen Rosinen (beispielsweise) und dem
Zungenclick sind Sie jederzeit gerüstet, interessante
Verhaltensmuster einfangen zu können, um sie dann zu Übungen
auszubauen.
Wenn Sie das Schweinchen einige Male belohnt
haben, wenn es von sich aus zu ihnen gekommen ist, fügen Sie ein
Wortsignal hinzu. Wählen Sie Komm!,
Hier! oder was immer, aber bleiben Sie dann bei
diesem Wort. Wenn das Minipig das nächste Mal Anstalten macht,
auf Sie zuzukommen, rufen Sie sofort das gewählte Signalwort,
clicken gleich darauf, während das Schweinchen zu Ihnen
unterwegs ist und belohnen, wenn es bei Ihnen ist. Wiederholen
Sie die Übung ein paar Mal und sie sitzt.
Wenn mehrere Tiere zu Ihrem Haushalt gehören,
ist es sinnvoll, den Namen des Tiers, mit dem man gerade
arbeitet, dem eigentlichen Kommando voranzusetzen, damit es klar
wird, wer gemeint ist. Statt Hier! heißt das
Wortsignal dann also z. B. Oskar, hier!
Trick: Keyboard spielen
Ein Babykeyboard mit breiten Tasten wird das
Minipig schnell und mit großer Begeisterung betätigen am
Anfang natürlich mit dem Rüssel. Es gibt Keyboards, die auf das
Drücken einer Taste hin ein Stückchen einer Melodie spielen. So
lässt sich die Musik gut mit einer Drehung kombinieren. Das
Schweinchen drückt eine Taste und tanzt dazu eine Runde
Walzer.
Kreativitätstraining
Schon mit einer einfachen Kiste wird Schweinchen
Schlau zeigen, was in ihm steckt: Es wird die Kiste anschubsen,
es kann in eine entsprechend niedrige Kiste hinein klettern oder
sogar seine ersten Sprünge probieren, die Vorderfüße auf die
umgedrehte Kiste stellen und hochklettern. Jedes Angebot wird mit
dem Clicker rückbestätigt und belohnt!
Legt man dem Minipig immer wieder
unterschiedliche Gegenstände vor, wird es bald seine eigenen
Trick-Ideen entwickeln, die Sie nur noch aufgreifen müssen.
Aus Abwehrreaktionen unterhaltsame
Übungen machen
Rückwärtslaufen
Wenn einem jungen Schweinchen etwas nicht ganz
geheuer ist, läuft es rückwärts. Dieses Verhalten braucht nur
noch geclickt zu werden, um einen neuen, interessanten Trick
entstehen zu lassen. Aber das ist nicht alles: Nach meiner
Erfahrung verliert dadurch, dass diese Form von Fluchtverhalten
nun sogar belohnt wird und schließlich unter Signalkontrolle
kommt, das gefürchtete Objekt sogar seinen Schrecken und zu
Anfang schüchterne Ferkelchen werden selbstbewusster und
vertrauensvoller.
Beißen
Beißen als Abwehrreaktion kann vorkommen, wenn
ein junges Schweinchen ins Haus kommt, das noch nicht handzahm
ist. Anfangs hält man dem Ferkelchen statt der offenen Hand am
besten immer nur die geschlossene Faust hin, die es bald
beschnuppern wird, aber in die es nicht ohne weiteres beißen
kann. Dafür darf es in ein kleines Hunde-Quietschetierchen
beißen und bekommt für jedes Quietschen einen Click und eine
Belohnung. Auch diese Übung hilft dem Schweinchen, Angst
abzubauen. Die kleinen Schlaumeier haben sehr schnell
herausgefunden, dass es vergebliche Mühe ist, nach
Menschenhänden zu schnappen, dass es sich aber lohnt, das
Gummitier zum Quietschen zu bringen. Mit gestimmten Hupen, die
leider schwer zu bekommen sind, lässt sich eine hervorragende
Schweineorgel bauen, auf der das Minipig kleine
Lieder spielen kann.
Weitere Erziehungsaufgaben
Auf den Platz
In sein Körbchen zu gehen und dort zu bleiben
ist für Minipigs, die sich viel in der Wohnung aufhalten, eine
der wichtigsten Übungen überhaupt. Sie belohnen das
Schweinchen, wenn es sich gerade in seinem Körbchen aufhält.
Sobald es beginnt, von sich aus auf seinen Platz zu gehen,
können Sie ein Sichtzeichen und ein Signalwort einführen.
Verlängern Sie nun die Zeit, die das Minipig
sich dort aufhalten muss, um eine Belohnung zu erhalten, ganz
allmählich, aber variieren Sie auch ein wenig. Mal bekommt das
Minipig schon nach ein paar Sekunden etwas, ein andermal warten
Sie länger, dann gibt es mal wieder eine Belohnung, wenn es
gerade auf seinen Platz gegangen ist. Der eigene Platz wird so zu
einem Ort, an dem man sich wohlfühlt und jederzeit auf angenehme
Überraschungen gefasst sein darf.
Es lohnt sich, diese Übung geduldig und
konsequent zu trainieren. Sie erspart Ihnen jede Menge
Erziehungsarbeit, da viele unerwünschte Verhaltensweisen auf
diese Weise gar nicht erst auftreten. Ein Schweinchen, das auf
seinem Platz befindet, kann nicht zugleich bei Tisch betteln, Sie
während der Futterzubereitung anrempeln usw.
Sauberkeitserziehung
Stubenrein zu werden ist bei Minipigs in der
Regel kein Problem, da Schweine ein großes Sauberkeitsbedürfnis
haben. Die meisten Schweinchen gehen bereits nach ein bis zwei
Tagen problemlos nach draußen oder auf ein Katzenklo. Wenn das
Ferkelchen in der Wohnung einen kleinen See fabriziert hat,
tupfen Sie ein klein wenig davon mit Küchenkrepp auf und legen
diesen in das Katzenklo. Die meisten Schweinchen werden bald dem
Geruch folgen (keine Sorge! Sie selbst werden gar nichts
riechen!) und ihr Geschäftchen dort erledigen. Wichtig ist
dabei, dass Sie die Stelle, die das Schweinchen gewählt hatte,
sehr gut reinigen, damit diese nicht mehr nach
Örtchen riecht. Einige Ferkelchen scheinen auch
hartnäckig auf der von ihnen selbst gewählten Stelle zu
bestehen. Auch das ist kein großes Problem. Stellen Sie einfach
das Katzenklo zunächst dorthin und übersiedeln es dann ganz
allmählich schrittweise dorthin, wo Sie es haben möchten. Da
die meisten Schweinchen zwar zu Anfang ein einziges Katzenklo
für alles benutzen, aber auf Dauer lieber das große
und das kleine Geschäft an unterschiedlichen Orten erledigen,
ist es sinnvoll, zwei Toiletten anzubieten.
Klauenpflege
Läuft ein Minipig fast ausschließlich auf
weichem Boden, müssen die großen Hufe gefeilt werden. Unser
Schweinchen läuft die Hufe auf dem gepflasterten Hof gut ab,
aber die Nebenklauen müssen auch wir regelmäßig mit einer
Klauenzange kürzen.
Je mehr Zeit Sie sich nehmen, desto problemloser
wird die Klauenpflege später verlaufen. Lassen Sie das Minipig
die Feile/Klauenzange beschnuppern. Kraulen Sie es an
verschiedenen Körperstellen mit den Instrumenten. Streichen Sie
mit der Klauenzange die Beine entlang. Beklopfen Sie Hufe und
Nebenklauen. Berühren Sie die Füßchen auch ohne Feile oder
Zange immer wieder.
Für jeden dieser Schritte gibt es eine
Belohnung. Manche Schweinchen entspannen total bei der
Klauenpflege. Sie legen sich auf die Seite und möchten zur
Belohnung gründlich am Bauch gekrault werden.
Ein Minipig tragen
Dies sei die wichtigste Übung überhaupt,
erklärte man mir, als ich mein Schweinchen gerade angeschafft
hatte. Ich bekam die Anweisung, das Minipig schnell zu packen und
festzuhalten, egal wie sehr es zappelt und schreit, und es erst
abzusetzen, wenn es ruhig wird. Lerntheoretisch ist
das durchaus richtig. Setzt man ein Schweinchen ab, während es
noch schreit, um sich beißt und zappelt, bestärkt man
natürlich genau diese Abwehrmaßnahmen. Allerdings konnte ich
mich mit dieser Methode nicht anfreunden, ich hielt sie für
vertrauensgefährdend.
Zunächst machte ich mir klar, was es für ein
Schweinchen bedeutet, hochgehoben zu werden und warum Minipigs so
panisch reagieren. Anders als Hunde oder Katzen kennen Schweine
das Getragenwerden nicht. Ein Hundewelpe oder ein Kätzchen wird
von der Mutter am Nackenfell gepackt, um transportiert zu werden,
und verfällt dabei in die sogenannte Tragestarre. Den Boden
unter den Füßen zu verlieren, macht ihnen also keine Angst
ganz anders bei Schweinen. Sie dürften sich in etwa so
fühlen, wie wir es tun würden, wenn wir von einer mächtigen
Hand gepackt und über einen Abgrund gehalten würden. Kein
Wunder, dass sie um ihr Leben schreien!
Es ist gut möglich, dass diese Panik zu
vermeiden wäre, wenn der Züchter die Ferkelchen möglichst bald
nach der Geburt hochhebt. Sicher kann ich es jedoch nicht sagen.
Ich überlegte auch, ob die Übung tatsächlich
so wichtig sei. Schließlich würde das Schweinchen wachsen
und wer schleppt schon ein ausgewachsenes Minischwein
durch die Gegend! Auf der anderen Seite überlegte ich, dass es
beim Tierarzt praktisch wäre, das Minipig hochheben zu
können und da ich mit meinem Ferkelchen auch spazieren ging und
schließlich nicht wusste, ob alle Begegnungen mit Hunden
freundlich verlaufen würden, haben wir mit viel Geduld
schließlich doch daran gearbeitet, dass Piccolino sich ohne
Angst hochheben ließ.
So geht es ohne Gewalt:
Setzen Sie sich mit gestreckten Beinen auf den
Boden. Sollte das Schweinchen nicht von sich aus auf Ihren Schoß
klettern, clicken Sie schrittweise die Annäherung. Sobald das
Ferkelchen auf Ihren Beinen liegt, kraulen Sie es am Bauch. Das
liebt es und es wird immer wiederkommen. Ist die Übung
gefestigt, d. h. schon ein liebgewordenes Ritual geworden, wird
es das Schweinchen nicht mehr stören, wenn Sie beim Erklettern
Ihres Schoßes sanft mit einer Hand nachhelfen. Nach einigen
Versuchen werden Sie wahrscheinlich die Hand unter das
Schweinebäuchlein legen können und das Tierchen ein wenig
hochlupfen, ohne dass ihm das Angst macht oder auch nur
unangenehm ist. Danach setzen Sie sich auf einen niedrigen Hocker
und schließlich auf einen Stuhl, was die Reise durch die Luft
schrittweise verlängert. Wenn Sie Ihr Schweinchen richtig
tragen wollen, üben Sie mit viel Geduld und viel Belohnung
weiter, bis sie es im Stehen auf den Arm nehmen können.
Wir haben die Übung allerdings an dem Punkt
beendet, an dem ich mein Ferkelchen problemlos auf den Schoß
heben konnte, während ich auf einem Stuhl saß. Das genügte, um
Piccolino notfalls einem fremden Hund zu entziehen
schließlich kannte er das Gehobenwerden nun ja und würde keine
Panik bekommen. Beim Tierarzt hoben wir ihn samt Transportbox auf
den Behandlungstisch, als er noch klein war, und jetzt, wo
Piccolino erwachsen ist, ist unser Tierarzt so freundlich, sich
zu bücken. Und danach, 37 kg Lebendgewicht zum Spaß
umherzutragen, habe ich ja eigentlich auch kein großes
Bedürfnis J
Grenzen der Erziehung
Überall dort, wo wir es mit Verhaltensweisen zu
tun haben, die einem angeborenen Bedürfnis entsprechen, stößt
die Erziehung unserer Minipigs auf natürliche Grenzen.
Ab und zu werde ich gefragt, was man tun kann,
damit das Schweinchen nicht stiehlt, sich also
irgendwelcher Dinge bemächtigt, die beispielsweise auf dem Boden
stehen. Hier gibt es leider keine andere Lösung, als diese
wegzuräumen, zumindest keine humane. Nicht nur Minipigs, auch
Hunde oder Katzen, haben eine andere Auffassung von Eigentum als
wir Menschen. Während es für uns eine Selbstverständlichkeit
ist, dass uns bestimmte Dinge immer noch gehören,
während wir und gar nicht darum kümmern der einladende
Kartoffelkorb in der Küche etwa versteht das Tier unter
Besitz das, worauf ein anderer gerade Anspruch erhebt, bzw. es
sogar verteidigt. Dinge aber, die liegengelassen werden, darf
sich in der Regel in den Tierfamilien jeder nehmen, der es
möchte und er muss es nun seinerseits wieder verteidigen.
Das bedeutet, dass das Tier nach seinem Verständnis natürlich
nicht stiehlt, wenn es sich etwas nimmt, worauf Sie aktuell
gerade keinen Anspruch erheben. Wenn Sie in einer solchen
Situation ärgerlich werden, wird das Tier also nicht verstehen,
warum sie das sind, und mit heftigem Stress reagieren eben
weil es Ihre Reaktion nicht einordnen kann.
Räumen Sie also speziell am Anfang alle Dinge
aus der Reichweite Ihres Minipigs, die für ein Schweinchen
irgendwie attraktiv sein könnten. Mit der Zeit werden die
meisten Gegenstände in der Wohnung für das Minipig viel
uninteressanter es sei denn, es handelt sich um
Fressbares. Vor allem ein gut ausgelastetes, trainiertes Minipig
wird bald keine Bücher oder Flaschen mehr vom Regal räumen,
wenn es doch viel spannendere Dinge gibt, Requisiten zum
Beispiel, mit denen man sich beschäftigen kann und dafür sogar
noch Belohnungen und die Zuwendung des Menschen bekommt.
Ein weiteres Beispiel für ein Verhalten, das
sich nicht aberziehen lässt, ist das Wühlen oder das Fressen
von Pflanzen, die das Schweinchen unserer Meinung nach nicht
fressen sollte. Ein eigener Wühlplatz und das Einzäunen von
Zierpflanzen schaffen die einzige Form von Abhilfe, die uns
fairerweise bleibt. Besonders wichtig ist es auch, darauf zu
achten, dass das Minipig nicht an giftige Pflanzen, wie z. B.
Goldregen, Blauregen oder Jasmin herankommt.
Noch mehr Tricks
Sprünge
Schweinchen springen manchmal aus Übermut. Sie
können also durchaus kleine Sprünge erlernen. Sie sollten dabei
auf keinen Fall überfordert werden. Sprünge über ein
ausgestrecktes Menschenbein oder durch einen wenige Zentimeter
über den Boden gehaltenen Reifen können durch Darüberhinweg
oder Durchlaufen vorbereitet werden.
Balancen/Akrobatik
Vom Balancieren über einen (nicht zu schmalen)
Balken bis zum Skateboardfahren ist einem gut trainierten
Schweinchen alles möglich. Balance-Übungen machen dem Minipig
Spaß und halten es körperlich fit.
Sitz
Es gibt einen kurzen Moment zwischen Liegen und
Stehen, den das Schweinchen auf den Hüften sitzt. Fangen Sie
diesen mit dem Clicker einige Male ein. Sobald das Schweinchen
verstanden hat, dass Sitzen eine einträgliche Sache sein kann,
und sich von sich aus setzt, geben Sie ein deutliches Handzeichen
dazu und sagen Sie Sitz. Wenn Sie möchten, dass das
Minipig länger sitzen bleibt, zögern Sie Click und
Futterbelohnung ganz allmählich etwas hinaus.
Obwohl Schweine weder auf der Weide noch im Stall
sitzen, scheint es doch eine recht bequeme Stellung zu sein. Ich
schließe das daraus, dass mein Schweinchen, seit es
Sitz gelernt hat, auch unaufgefordert oft sitzt.
Down/Peng
Das gerade Abliegen (Platz) kommt gelegentlich
vor und kann bei manchen Minipigs ebenfalls mit dem Clicker
markiert und zu einer Übung ausgebaut werden.
Bei vielen Tieren, auch bei Pferden
beispielsweise, klappt es so nicht, liegende Haltungen als Trick
zu erarbeiten. Sich irgendwo im freien Raum oder in unmittelbarer
Nähe eines Menschen, auch wenn dieser sehr mit dem Tier vertraut
ist, auf Kommando hinzulegen, kann Angst machen, da diese Haltung
den Überblick über die Situation verringert und die
Fluchtmöglichkeit erschwert. Zusätzlich befindet sich das Tier
während der Arbeit mit dem Clicker in einer gewissen
Erwartungsspannung. Hier ist es meist günstiger, das Schweinchen
sanft im Nacken zu kraulen, mit freundlicher, leiser Stimme zu
loben, wenn es sich hinlegt, und ihm ganz beiläufig ein
Leckerchen zuzustecken. Ein Kommando können Sie in langsam
einschleichen, während Sie die Berührung ausschleichen. Sagen
Sie sanft Down, wenn das Minipig Anstalten macht,
sich hinzulegen. Verkürzen Sie das Kraulen schrittweise, bis nur
noch eine Handbewegung in Richtung Nacken übrigbleibt, die Sie
nun als Handzeichen für diese Übung benutzen.
Ebenso gehen Sie vor, wenn Sie Peng,
das regungslose Liegen auf der Seite, üben möchten. Dazu lassen
Sie die kraulende Hand allmählich Richtung Bäuchlein wandern.
Das Schweinchen wird sich genüsslich auf die Seite plumpsen
lassen.
Vergessen Sie nicht, wie sehr Ihr Minipig das
Gekraultwerden liebt es entspricht dem körperpflegenden
Putzen der Wildschweine und gönnen Sie sich
und Ihrem Schweinchen ganz unabhängig von dieser Übung
ausreichende Kraul- und Kuscheleinheiten.
Verbeugung oder Knicks
Auch das Knien auf den Vorderfüßen kommt für
Augenblicke zwischen Liegen und Stehen vor. So lassen sich
bildschöne Diener oder auch Knickse
einfangen.
Apportieren
Manchmal gibt es kurze Momente, in denen das
Schweinchen etwas im Maul hält. Clickt man diese, lassen sich
Übungen wie Apportieren oder Einräumen,
Gegenstände in einen Behälter fallen lassen, entwickeln.
Minipig-Besitzern, die vergeblich auf einen
solchen Augenblick warten, rate ich, ruhig ein bisschen zu
schummeln. Sie können ein Stück Apfel in einen Lappen
einbinden. Diesen wird das Minipig auf jeden Fall für einige
Zeit ins Maul nehmen. Markieren Sie das Tragen mit einem Click
und geben Sie nun direkt ein Stück Obst. Nach einigen Versuchen
können Sie dem Schweinchen einen unpräparierten Stoffknoten
anbieten, den es besonders gut tragen kann und dann die
Apportierkünste Ihres Minis schrittweise ausbauen.
Pfötchen geben, Winken
Alle Pfoten-Tricks, die wir aus dem
Trick-Repertoire von Hunden kennen, verlangen etwas Geduld. Sie
werden vom Schweinchen aber, sobald es verstanden hat, mit
Begeisterung ausgeführt. Schweine benutzen ihre Füßchen
zunächst ausschließlich zum Laufen. Sie pföteln
nicht wie Hunde oder Katzen. Erlernen lassen sich Tricks mit den
Füßchen mit Hilfe einer Plastikscheibe, die auf den Boden
gelegt wird. Tritt das Schweinchen zufällig darauf: Click &
Belohnung. Ist erst einmal das Bewusstsein für die eigenen
Füße geweckt, können die unterschiedlichsten Kunststücke
daraus entstehen.
Der Phantasie im Schweinchen-Training sind keine
Grenzen gesetzt. Legt man einem Minipig immer wieder verschiedene
Gegenstände vor, wird es mit großer Begeisterung seine eigenen
Tricks erfinden.
Sollten Sie sich von unseren teilweise durchaus
akrobatischen Schweinchentricks inspirieren lassen nur zu!
Bei kleinen Sprüngen oder beim Rutschen achten Sie unbedingt auf
weichen Untergrund. Körperlich anstrengendere Kunststückchen
sollten Sie sehr dosiert üben. Mehr als einen,
höchstens mal zwei akrobatische Tricks pro Tag gibt
es bei uns niemals. Sie sollten auch nicht unzählige Male
wiederholt werden, sondern allenfalls zwei- bis dreimal. Der Rest
des Trainings besteht dann aus Übungen, die den Körper kaum,
dafür umso mehr die kleinen grauen Zellen fordern. Und
Gehirnakrobatik ist für so ungewöhnlich
intelligente Tiere schließlich das wichtigste überhaupt.
Wie sagte eine Hundetrainerin, die in ihrer
Hundeschule mit einem Minipig gearbeitet hat, neulich zu mir?
Das war der intelligenteste Hund, der mir
jemals untergekommen ist!