EINIGE GUTE GRÜNDE FÜR DAS TRICKTRAINING

 

SPASS UND NOCH VIEL MEHR ...

Tricktraining macht einfach Spaß, den Zweibeinern und vor allem den Vierbeinern. Aber das ist nicht alles! Es gibt eine Reihe von weiteren guten Gründen, sich auf das Abenteuer Tricktraining einzulassen:

 

Tricktraining bietet dem Tier Anregung und Beschäftigung

Viele unserer Haustiere sind arbeitslos. So hat beispielsweise nicht jeder Hundebesitzer  Freude daran, einen Hundesport zu betreiben oder etwa einer Rettungshunde-Staffel beizutreten, um seinen Hund dauerhaft angemessen zu beschäftigen. Wer kann und möchte sich schon eine Schafherde anschaffen, damit Collie Ben auch wirklich eine Aufgabe hat? „Agility“ ist heute für viele Hundebesitzer eine interessante Möglichkeit, dem Hund Herausforderungen zu bieten. Andere wieder haben keine Lust, Wettbewerbe zu bestreiten oder mit ihrem Hund zusammen über einen Parcours zu rennen. Eine noch recht neue Hundesportart, das „Dogdancing“ erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dogdancing beruht auf Tricktraining. Allerdings möchte wohl auch nicht jeder Hundehalter unbedingt gemeinsam mit dem Hund öffentlich als Tänzer/Tänzerin auftreten. Warum nicht einfach nur die Tricks trainieren?

Nicht alle Katzenhalter können ihrer Katze Freilauf bieten. Speziell für Wohnungskatzen können ein paar Minuten Tricktraining am Tag ein echtes Highlight sein – wobei auch freilaufende Katzen regelmäßiges Training zu schätzen wissen.

Wir sorgen für die Sicherheit unserer Tiere, für ihr Futter, für ihre Gesundheit. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und natürlich auch unsere Pflicht als Tierhalter. Dennoch birgt das behütete Leben die Gefahr der Langeweile. Die Intelligenz unserer Tiere verkümmert, wenn wir nicht für geeignete Aufgaben sorgen.

In der Natur ist die Befriedigung der Grundbedürfnisse immer wieder mit Lernprozessen verbunden. Lernen gehört damit zum ureigensten Wesen des Tieres. Tiere, die in menschlicher Obhut leben, brauchen daher als Ersatz für die Herausforderungen, vor die das Überleben in der Natur sie stellen würde, eine andere Form der geistigen Anregung. Tricktraining bietet durch die Kombination von geistigem Training und körperlicher Schulung dem Tier ein großes Stück mehr an Lebensqualität. Es kann von allen Beschäftigungsmöglichkeiten am stärksten auf das jeweilige Tier, seine Vorlieben und Talente abgestimmt werden, weil keinerlei sportliche Regeln oder Prüfungsvorschriften eingehalten werden müssen. Es bietet immer neue Anreize zum Weitertrainieren – schließlich kann man fast unendlich viele Tricks entwickeln.

 

Tricktraining hält alte Tiere körperlich und geistig fit

Wer rastet, rostet. Das gilt für ältere Tiere genau so, wie für Menschen. Gerade bei Tieren, die vielleicht bereits unter der ein oder anderen Bewegungseinschränkung leiden, sind Tricks, sofern sie nicht körperlich anstrengend sind, ein Wundermittel gegen drohende Langeweile.

 

Tricktraining erspart dem Tierhalter viel Erziehungsarbeit bei jungen Tieren

Die meisten Trainer sind der Meinung, ein grundlegendes Gehorsamstraining müsse dem Erlernen von Kunststücken immer vorausgehen. Ich rate dazu, es umgekehrt zu machen. Beginnt man mit Tricks, wird als erstes die Freude am Lernen geweckt und ein Grundgehorsam stellt sich oft fast wie von selbst ein.

 

Vierbeinige Künstler haben eine wichtige Funktion

- sie sind Sympathieträger. Wir alle kennen das „Kommissar-Rex-Phänomen“: Sobald ein Hund etwas Nettes kann, löst er Zustimmung und Begeisterung aus, oft auch bei Leuten, die mit Hunden „nichts am Hut“ haben. Katzen, die Tricks beherrschen, helfen Vorurteile wie „Katzen kann man nichts beibringen“ abzubauen. Ein tricktrainiertes Schweinchen führt die Idee des „dummen Schweins“ nachhaltig ad absurdum und kann Menschen zum Nachdenken über die Massenhaltung von Schweinen anregen. Pferde, Ziegen, Esel ... welches Tier auch immer ein paar interessante Kunststückchen zeigen kann, erregt Aufmerksamkeit, Staunen und in der Regel auch Sympathie.

Eine ähnliche Wirkung erzielen immer wieder tricktrainierte Wildtiere, die in menschlicher Obhut leben. In ihrer Verbundenheit mit dem Menschen stellen trainierte Tiere auch zum Zuschauer eine gewisse Nähe her. Sie bewirken so mit Sicherheit mehr für den Gedanken des Wildtierschutzes, als alle Bilder, Annoncen, Flyer oder Naturfilme. Diese Tiere zeigen hautnah, zu welchen Leistungen sie fähig sind. Sie sind nicht anonym. Man hat das Gefühl, sie zu kennen. Und man schützt nur, was man kennt.

 

Tricktraining ist eine hervorragende Möglichkeit, das Lernverhalten und die Fähigkeiten von Tieren zu studieren

Die enorme Vielseitigkeit dieser Art von Training ermöglicht es, immer wieder neue verblüffende Denkleistungen unserer Tiere zu entdecken. Schon von daher ist Tricktraining für Verhaltensforscher, Tierpsychologen und natürlich auch alle anderen Interessierten äußerst spannend.

Diese Entdeckung machte übrigens bereits vor vielen Jahren auch der bekannte, langjährige Direktor des Frankfurter Zoos, Prof. Dr. Grzimek. In seinem Buch „Unsere Brüder mit den Krallen“, das 1961 im Ullstein-Verlag erschien, schreibt er:

„Wenn man schon Tiere nicht ungestört bei ihrem täglichen Leben beobachten kann – beim Beutemachen, beim Ehekrach, beim Kinderkriegen, bei Zank und Liebe (und das kann man gewöhnlich im Zoo nicht) – , dann bekommt man am schnellsten Fühlung mit ihnen, wenn man mit ihnen arbeitet. Ein Reiter, der ein rohes Pferd zureitet, lernt in ein paar Tagen oft mehr von der Pferdeseele, als wenn er sich zwei Wochen an den Koppelzaun stellt und den Stuten beim Grasen zusieht. Wer aber fühlt sich mehr in das Wesen eines Tigers, in seine guten und schlechten Launen ein als ein Dompteur?“

Grzimek sprach’s, ging für kurze Zeit bei dem Tigerdompteur Haupt „in die Lehre“, der damals im Circus Sarrasani arbeitete, und trat dort sogar mit den Tigern in einer Vorstellung auf.

Eindrucksvolle Forschungsergebnisse zeigen, dass Tiere sehr viel mehr „können“, als die Natur ihnen abverlangt. Heute wissen wir, dass das Gehirn nach dem Prinzip „Use it or loose it“ funktioniert, wie die Neurowissenschaftler das nennen. Mensch und Tier verfügen über ungeheuer leistungsfähige „Biocomputer“, deren „Programme“ allerdings aktiviert und gepflegt werden müssen, um zur Verfügung zu stehen.

Ich würde also noch weiter gehen, als Grzimek das tat, und meinen: Beschränken wir uns auf die Beobachtung von Tieren, werden wir immer nur einen Bruchteil ihrer tatsächlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten erfahren können. Ein gutes Beispiel sind die Schimpansen oder Gorillas, die in enger Verbindung mit ihren Menschen die Zeichen-Sprache der Taubstummen erlernt haben, sich über Gestensprache ausdrücken, wobei auch zeit- und gefühlsbezogene Begriffe einbezogen werden. Tiere verwirklichen ihre Potentiale immer in dem Maß, in dem die Umwelt Anreize dazu bietet. Und wenn wir erkennen möchten, über welche Fähigkeiten sie tatsächlich verfügen, wird dies am ehesten aus einer intensiven Mensch-Tier-Beziehung heraus geschehen.

 

Bei Verhaltensproblemen kann die Arbeit an Kunststückchen wahre Wunder wirken

Tricktraining macht Faulpelze munter, nervöse oder etwas hyperaktive Vierbeiner werden ruhiger, unfolgsame folgsamer, ängstliche selbstsicherer. Den Tieren wird etwas geboten, worauf Heimtiere, und seien sie noch so gut gehalten, oft verzichten müssen: die Herausforderung des Lernens und immer wieder das Erfolgserlebnis.

Die unglaublichsten Erfahrungen auf diesem Gebiet haben wir mit Abgabe-Minipigs gemacht: Aus „untragbar gewordenen“, in vielen Fällen bereits gefährlich bissigen Abgabeschweinchen können in kompetenter Hand mit Hilfe von Tricktraining innerhalb erstaunlich kurzer Zeit friedliche, vertrauensvolle und umgängliche Tiere werden.

Die Wurzel der meisten für den Menschen problematischen Verhaltensweisen von Haustieren besteht in mangelhafter Mensch-Tierkommunikation und vielen Missverständnissen zwischen Mensch und Tier. Den Missverständnissen lässt sich durch Wissen größtenteils abhelfen. Gelungene zwischenartliche Kommunikation jedoch verlangt Übung und Erfahrung – für beide Seiten. Sehr oft beruht „Ungehorsam“ von Haustieren beruht ganz einfach darauf, dass das Tier zu wenig Kontakt zum Besitzer hat. Durch die Arbeit an Kunststückchen lernt es, auf seinen Menschen zu achten und die enge Bindung an ihn als lustvoll und angenehm zu empfinden. Zugleich lernt der Tierhalter sein Tier und dessen Ausdrucksverhalten immer besser kennen. Er lernt, sich sehr intensiv in sein Tier einzufühlen und in seinem verbalen und körpersprachlichen Ausdruck dem Tier gegenüber klar zu sein. Tricktraining ist ein Weg, das Aufeinander-Einspielen zwischen Mensch und Tier ständig zu verfeinern. Manche Probleme erledigen sich so in vielen Fällen von selbst.

Natürlich soll und kann das Üben von Kunststückchen kein Ersatz für gezielte, fundierte Tier-Verhaltenstherapie sein. Immer wieder aber erweist sich das Tricktraining als wertvolle unterstützende Maßnahme beim Lösen von Problemen aller Art.

 

Tricktraining als „Stressimpfung“

Die Bewältigung von Herausforderungen baut jene Schaltkreise im Gehirn auf, die erhöhter Stressanfälligkeit vorbeugen und dauerhaft entgegenwirken. Neurobiologen haben zahlreiche Untersuchungen dazu gemacht und sprechen von „Stressimpfungstraining“. Aber nicht nur vorbeugend, auch wenn ein Tier bereits stark zu Stressreaktionen neigt, können diese durch „positive Kontrollerfahrungen in Stresssituationen“ stark abgemildert werden. Positive Kontrollerfahrung in Stresssituationen meint, das Tier empfindet die Situation/Aufgabe als eine Herausforderung, der es gewachsen ist und die es bewältigen kann. Genau das kann gutes, in den Anforderungen einfühlsam dosiertes Tricktraining bieten.

 

Tricktraining stärkt die Beziehung zwischen Mensch und Tier

Wer mit seinem Tier arbeitet, lernt es buchstäblich mit anderen Augen zu sehen. Der Tierhalter nimmt sein Tier intensiver und bewusster wahr. Durch die Kreativität dieser Form der Arbeit mit Tieren, können wir Menschen ungeahnte Talente in unseren Vierbeinern entdecken und fördern. Tricktraining ist Entertainment im besten Sinn des Wortes – und das für Mensch und Tier. Es fördert das Vertrauensverhältnis des Tieres zu seinem Menschen und der Mensch lernt, seinem Tier immer mehr zuzutrauen. Die Mensch-Tier-Kommunikation intensiviert und verfeinert sich. Besonders eindrucksvoll ist das an vielen Katzenbesitzern zu beobachten, sobald sie mit dem Tricktraining begonnen haben. In vielen Fällen ist die Katze davor irgendwie „nebenhergelaufen“ und die Besitzer waren der Meinung, ihre Samtpfote interessiere sich nicht für sie als Menschen, weil sie doch so eigenständig sei. Mit einem Mal spüren sie eine ganz neue Form der Nähe.

 

 

WIE UND WO KANN TRICKTRAINING EINGESETZT WERDEN?

Natürlich sind die wenigsten Menschen dauerhaft motiviert, ein Hobby ausschließlich im stillen Kämmerlein auszuüben – mag dieses noch so nützlich sein. Irgendwann möchte man zeigen, was man erarbeitet hat, und die wohlverdiente Bewunderung einheimsen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Kunststücke mit Vierbeinern einzusetzen und praktisch zu nutzen.

 

 

 

 

zum Seitenanfang